Der Elefantennachwuchs im Kölner Zoo

 

Marlar

 

Obwohl die Geschichte der Elefantenhaltung in Köln bereits vor über 140 Jahren begann, konnte der Kölner Zoo bisher erst drei Geburten verzeichnen. Marlar ist das erste in Köln geborene Elefantenkalb.

Als Marlars Mutter Khaing Lwin Htoo, die zusammen mit Thi Ha Phyu und deren Söhnen Aung Bo und Aung Si aus dem Zoo Emmen nach Köln kam, war sie bereits unbemerkt trächtig. Der Emmener Bulle Radza verbringt ganz untypisch für einen Bullen die ganze Zeit des Tages bei den Elefantenkühen und –kälbern, so auch die Nächte. Weil man den Zeitpunkt des Deckaktes im Emmen nicht genau bestimmen konnte und Khaing Lwin Htoo während ihrer Schwangerschaft enorm viel zu nahm, hat man bereits im Sommer 2005 mit ihrer Niederkunft gerechnet.

Der WDR richtete eine Webcam ein, so konnte man weltweit die Schwangerschaft und die Geburt verfolgen. Weihnachten 2005 hatte Khaing Lwin Htoo das erste Mal Wehen, die aber trotz wehenfördernder Mittel, die per Narkosegewehr verabreicht wurden, wieder abklangen.

Am 30. März 2006 stellten sich dann wiederum Wehen ein. Die Geburt sollte in der Gruppe ganz ohne Eingreifen der Pfleger stattfinden. Jedoch vermutete man, dass das Kalb ungünstig lag. So hat man das Muttertier kurzfristig von der Herde getrennt und mit ihr "trainiert". Sie musste sich auf Kommando mehrmals hinlegen und wieder aufstehen. Die Übungen schienen zu helfen und schließlich wurde um 8:15 Uhr ein Kuhkalb geboren, das Marlar getauft wurde.

Über ein Kuhkalb freute sich der Kölner Zoo besonders. Der Kölner Zoo hält seine Elefanten im natürlichen Sozialverband, sprich in kleinen weiblichen Familiengruppen und einzelgängerischen Bullen. In der Natur sind die Elefantenkühe miteinander verwandt: Großmutter, Mutter, Schwestern, Tanten, Cousinen. Der Zoo hat bereits 2 Zuchtbullen, so aber kann das Kuhkalb in der Herde verbleiben.

Am 19. April, 20 Tage nach ihrer Geburt, durfte Marlar zum ersten Mal das Elefantenhaus verlassen und das Freigelände erkunden. Zuvor hat man jedoch zu ihrem Schutz die Außenanlage „kindergerecht“ abgesichert. So wurden die tiefen Einstiege zu den Bademöglichkeiten mit Elektrozäunen abgesperrt, um zu verhindern, dass Marlar ins tiefe Wasser fällt und den Ausstieg nicht mehr findet.

Nachdem Marlar Mutter Kahing Lwin Htoo am 13.12.2006 eingeschläfert werden musste, kümmern sich wie in der Natur üblich die Tanten um die Aufzucht der Kleinen und machen einen guten "Job". Marlar gedeiht prächtig!!!

 

Ming Jung

 

Das zweite Kalb des Elefantenparks heißt Ming Jung. Er wurde am 16.04.2007 morgens im Beisein aller weiblichen Elefanten geboren. Sein Name klingt asiatisch, aber auch wie die kölsche Aussprache von "Mein Junge".
Seine Mutter ist Tong Koon, die bereits trächtig im September 2006 aus Bangkok in den Kölner Zoo kam. Sein Vater ist Plai Konkga (in Thailand lebend). "MiJu" war bei seiner Geburt ca. 100 cm groß und 100 kg schwer. 

Ming Jung hat sich sehr gut entwickelt und spielt oft und gerne ausgelassen mit den beiden anderen Kälber Marlar und Maha Kumari. Marlar hat sich ihr seiner angenommen nachdem ihre anfängliche Eifersucht verflogen war. Noch heute ist sie sein fast ständiger Begleiter.

 

Maha Kumari

Knapp 3 Wochen nach Ming Jing wurde ein weiteres Kalb - Maha Kumari -geboren. Dieses Kuhkalb ist echt "kölsch", in Köln gezeugt und geboren. Die Mutter ist die Leitkuh der Kölner Herde - Thi Ha Phyu und der Vater der Kölner Bulle Bindu. Bei ihrer Geburt war sie ca. 120 cm groß und 120 kg schwer.

Die Geburt Maha Kumaris fand am Abend des 09.05.2007 komplikationslos in mitten der Herde statt. Ich hatte das Glück und konnte die Geburt per Webcam beoabchten. Naja, eher weniger die Geburt, aber dafür mehr die aufgeregten Kühe. MaKus erste Schritte jedoch haben mir Gänsehaut bereitet.
Ihr Name bedeutet "große Prinzessin" - in Anlehnung an den Namen ihrer Mutter (Weiße Prinzessin) und ihrer Größe bei der Geburt. Maha Kumari war nach der Geburt bereits ca. 20 cm größer als Ming Jung es zu diesem Zeitpunkt war. Bindu gilt als zweitgrößter Bulle Europas und Thi Ha Phyu ist ebenfalls sehr groß gewachsen.


Oktober 2007: von links nach rechts: MaKu, MiJu, Marlar

Nach der Geburt von Ming Jung hatte Marlar eine Zeitlang ziemlich daran zu knacken, dass sie nun nicht mehr der alleiniger Mitelpunkt ihrer Tanten war. Sie zeigte anfangs Eifersucht, weil sie nun nicht mehr die gewohnte ungeteilte Aufmerksamkeit gekam. Marlar protestierte gegen den neuen Mitbewohner in ihrer Herde, indem sie ständig laut brüllte und mit ihrem roten Ball heftig durch das Haus jagte und somit versuchte die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Nach ein paar Tagen kamen ihrerseits dann aber die ersten Annäherungsversuche.
Maha Kumaris Geburt hat sie dann schon gar nicht mehr verwirrt. Sie hat sofort den Kontakt zu der Kleinen gesucht. Und mittlerweile ist es so, dass sie ein tolle "Cousine",  "Minitante" oder man kann auch "Mini-Leitkuh" sagen, die sich um ihre kleinen Mitbewohner kümmert. MiJu und MaKu lernen schnell von Marlar.
Ich bin gespannt wie marlar das Kalb von Shu Thu Zar, das im Frühjahr 2008 geboren werden soll, annimmt.

Khin Yadanar Min

 

  

Der jüngste Nachwuchs in Köln ist das Bullkalb Khin Yadanar Min. Er wurde in der Nacht zum 27.07.2009 geboren. Sein Vazer ist der Bullle Bindu und seine Mutter die erstgebärende Aye Chan May. Sein Name bedeutet "siegreiches Juwel". Seinen Namen durfte eine Pflegerin aussuchen, die schon seine Mutter Aye Shan May aufgezogen hat. Die Mutter des kleinen Khin ist nämlich eine Handaufzucht, hat aber trotzdem keine Schwierigkeiten mit ihrem Nachwuchs.

 

Alle 4 Kälber entwickeln sich prächtig. MaKu genießt den Kontakt zu den Pflegern, MiJu allerdings mochte den Kontakt nicht besonders.
Aber MiJu hat mittlerweile Spaß am Targettraining gefunden. Immer wenn seine Mutter Tong Koon in der letzten Zeit trainiert wurde, hat MiJu die Kommandos ebefalls ausgeführt. Er sah, dass seine Mutter Leckerlis bekommt und gestreichelt wurde und bestand dann ebenfalls darauf. Die Pfleger starteten daraufhin einen Versuch und trainierten ihn "alleine" - und? Er macht mit Freude mit. Auch den Körperkontakt zu den Pflegern lässt er jetzt zu bzw. genießt ihn. 


(viele Fotos von Sylvia Peters)