Die Elefanten in Münster

 
Alex in Amersfoort 

Alexander
Der imposante Bulle Alexander wurde am 01.01.1978 in Ramat Gan geboren. Sein Vater ist der Bulle Motek und seine Mutter die Kuh Warda - ein berühmtes und vor allem erfolgreiches Zuchtpaar. Alexander trägt nur noch einen Stoßzahn. Den anderen musste man ihm in Rotterdam entfernen, weil er sich abgebrochen hatte und sich der Stumpf entzündete. Alexander ist ein schlankes, hochbeiniges Tier. Er ist 3,15 m groß und bringt ca. 5500 kg auf die Waage.
Alexander ist schon viel rumgekommen: am 08.071994 kam er erstmals in den Allwetterzoo Münster. Am 04.11.1998 zog Alexander nach Rotterdam. Am 17.04.2007 kam er nach Antwerpen und nur ein halbes Jahr später zog Alexander am 16.10.2007 nach Amersfoort. Alexander hat bisher 14 mal für Nachwuchs gesorgt, von denen heute noch 12 Kälber leben. Indra aus Amersfoort erwartet Ende 2012 sein nächstes Kalb.
Am 05.07.2011 tauschten der niederländische Zoo und der Allwetterzoo Münster die Bullen. Chamundi wurde morgens nach Amersfoort transportiert und Alex traf abend in Münster ein. Dieser Tausch erfolgt im Rahmen des Zuchtprogrammes. Chamundi ist mit den beiden einzigen zuchtfähigen Kühen Corny und Ratna groß geworden. Wahrscheinlich deshalb mag er seine "Schwestern" nicht decken. Da aber das Zeitfenster zur Zucht für die beiden Kühe immer geringer wird, kam Alexander, um diese Aufgabe auszuüben.
Wünschen wir ihm viel Glück udn gutes Gelingen dabei.

Die Asiatin Kanaudi wurde 1967 als wilder Elefant in Indien geboren. Sie wurde gefangen und kam am 25.05.1970 in den Hamburger Tierpark Hagenbeck. Am 04.10.1995 zog sie zusammen mit Ratna vom Tierpark Hamburg in den Allwetterzoo Münster. Kanaudi ist eine massige Elefantenkuh. Sie hat viele Depigmentierungen am Körper, vor allem am Rüssel und an den Ohrenrändern. Ihre Ohrränder werden in Laufe der Zeit immer heller mit nur noch vereinzelten "schwarzen Punkten". Kanaudi hat auf der rechten Seite einen kleinen Stoßzahn, sie hat einen flachen Rücken und hinten X-Beine. Außerdem ist sie gut an einem Kerbe an ihrem linken Ohr zu erkennen.

 

Die Asiatin Ratna wurde am 23.03.1992 im Hamburger Tierpark Hagenbeck geboren. Ihre Eltern sind der Bulle Hussein und die Kuh Thura. Am 04.10.1995 kam Ratna zusammen mit Kanaudi nach Münster in den Allwetterzoo. Ihre besonderen Merkmale sind der runde Kopf, ihre depigmentierten weichen Ohrenränder, ihr depigmentierter Rüsselansatz, ihr rechtes Ohr klappt nach vorne, ihr linkes nach hinten. Ratnas Schwanzquaste hat viele lange Haare.

 

 

Die Asiatin Corny ist die jüngste in der Münsteraner Herde. Sie wurde am 04.06.1996 in Hamburg geboren. Ihre Eltern sind der Bulle Hussein und die Kuh Yashoda. Corny lebt seit dem 10.11.2003 im Allwetterzoo Münster. Kennzeichnend für sie sind ihre dunklen Ohren, ein heller Fleck über dem rechten Auge und ihre wenig behaarte Schwanzquaste. Corny ist ein kleiner Wirbelwind und die aufgeweckteste der Herde.

Chamundi, Ratna, Kanaudi und Corny sind überwiegend auf der hinteren, kleineren Anlage.

 

 

  

Die Asiatin Tefi wurde im Jahre 1966 geboren, ihr Geburtsort ist unbekannt. Seit dem 12.03.1974 lebt Tefi im Allwetterzoo Münster. Vorher lebte sie in einem kleinen Zoo namens „Logabirum“ (Onkel-Heini) in Norddeutschland, der im Jahre 1990 jedoch geschlossen wurde. Tefi ist an ihrem Charakterkopf sehr gut zu erkennen. Sie hat eine sehr ausgeprägte tiefe Stirn, auffallende Schädelbeulen. Tefi hat auch häufig laufenden Drüsen zwischen den Augen und den Ohren. Dies ist für eine asiatische Kuh recht ungewöhnlich. Sie hat relativ kleine Ohren mit spitzen Ohrläppchen. Der Rand des re. Ohres klappt oben komplett nach vorne. Der Rand ihres linken Ohres klappt am Ansatz ein wenig nach vorne und weiter Außen nach hinten. Tefi ist die Leitkuh der Münsteraner Herde.

 

Die Asiatin Bala wurde im Jahre 1984 in Burma geboren. Sie lebte zuerst mit der Elefantenkuh Jenny (heute Zoo Heidelberg) im einem Zirkus, bevor beide am 22.09.1999 in den Tierpark Hagenbeck kamen. Am 10.11.2003 zog Bala schließlich in den Allwetterzoo Münster um. Ihre Erkennungsmerkmale sind ihr sehr langer Schwanz mit einer sehr behaarten Quaste und ihr deutlich nach hinten abfallender Rücken. Bala ist zwar in einem Alter, in dem man mit ihr züchten könnte. Allerdings möchte man ihr wegen ihrem Rücken eine Trächtigkeit nicht zumuten. Außerdem mag der Münsteraner Bulle Chamundi Bala nicht.

 

Der Asiatin Rada wurde ungefähr im Jahre 1966 als wilder Elefant geboren. Ihr Geburtsort ist unbekannt. Sie wurde eingefangen und kam in einen Zirkus. Am 21.12.1983 kam sie aus dem Circus Royal in den Allwetterzoo Münster. Sie wurde beschlagnahmt und war in schlechter körperlicher Verfassung. Kennzeichnend für sie sind der runde Rücken, der kleine Stoßzahn rechts, die großen dunklen Ohren mit runden Ohrläppchen und ihr „pinke“ Rüsselspitze. Ihre Ohrränder klappen am Ansatz nach vorne und weiter seitlich nach hinten. Neuerdings hat sie an ihrer rechten Seite anscheinend Liegestellen: an der Wange zwischen Auge und Ohr ist ein heller Fleck sowie an ihrem rechten Hinterbein.

Tefi,Rada und Bala sind überwiegend auf der vorderen, größeren Anlage.

Anlässlich Radas Silber-Jubiläums im Zoo veröffentlichte der Allwetterzoo einen Artikel auf seiner HP:
„19. Dezember 2008 Elefantöses Jubiläum: Rada lebt seit 25 Jahren in Münster Am 21. Dezember 1983 begann für "Rada" ein neues Leben: Ausgemergelt, in einem katastrophalen gesundheitlichen Zustand und unter Polizeischutz war die Elefantenkuh an diesem Tag in Münster eingetroffen. Ihrer Beschlagnahmung durch die Behörden ging ein regelrechter "Krimi" voraus, an den sich vor allem Achim Bollmann-Oberlein, der in der Nähe von Hannover wohnt, noch lebhaft erinnert.
Rada" gehörte ursprünglich einem Wanderzirkus. Der hatte 1983 sein Winterquartier in der Nähe von Lemgo auf einem Grundstück, das Lydia Bollmann gepachtet hatte. Der damals 77jährigen Tierschützerin aus Hannover war der Zirkus schon 1981 negativ aufgefallen. Außer der Elefantenkuh hielt er noch ein Flusspferd, Affen und Pferde unter extrem schlechten Bedingungen. Lydia Bollmann und ihr Sohn wollten den Zirkustieren helfen. Sie besuchten den Zirkus zwei Jahre lang immer wieder. Sie brachten den Tieren Futter und boten dem Direktor Hilfe an. Doch der änderte an der mangelhaften Tierhaltung nichts und drohte dem Sohn gar Prügel an...
Lydia Bollmann wandte sich im Winter 1983 an die Veterinärbehörde im Kreis Lippe. Sie wollte eine anderweitige Unterbringung des Elefanten und des Flusspferdes erwirken. Die Amtstierärzte besuchten daraufhin den Zirkus. Sie waren zur sofortigen Wegnahme der Tiere bereit, sahen sich aber überfordert, ein "geeignetes Tierheim für Exoten" zu finden. Frau Bollmann fand dann im Allwetterzoo ein Quartier für "Rada". Sie beschaffte sogar ein Transportfahrzeug. Und sie fand einen Helfer, einen ehemaligen Zirkus-Tierpfleger, der "Rada" kannte. So bescherte sie Veterinärbehörde und Polizei einen gut organisierten Transport des Elefanten in sein neues Zuhause. Wegen der noch ungeklärten Rechtslage über das Eigentum an dem gequälten Tier erklärte sich Lydia Bollmann bereit, Futter- und Tierarztkosten für "Rada" von etwa 50 bis 60 DM am Tag zunächst zu übernehmen.
Die offensichtlich sehr gutmütige "Rada" war damals etwa 16 Jahre alt, aber für ihr Alter zu klein. Ursache war vermutlich mangelnde Ernährung über einen langen Zeitraum. An "Radas" Hinterbeinen waren tiefe Einschnürungen, weil sie ständig angekettet worden war. Ihre Füße und Fußnägel waren vermutlich so gut wie nie gepflegt worden. Die Unterseiten der Fußsohlen zeigten deutliche Verätzungen durch ständiges Stehen in mit Urin verunreinigter und nicht erneuerter Einstreu. Im Zoo erholte sich "Rada" dank guter Pflege und endlich ausreichender Kost. Zum Glück war sie von den weiteren Elefantenkühen, von denen ihr heute nur noch "Tefi" Gesellschaft leistet, mit Zuneigung aufgenommen worden - was zu ihrer raschen Eingewöhnung beitrug.
Um "Rada" auf Dauer dem Einfluss des Zirkusbesitzers zu entziehen, erstattete Achim Bollmann-Oberlein Strafanzeige nach dem Tierschutzgesetz bei der Staatsanwaltschaft Hannover. In der Zeit, in der es "Rada" in Münster langsam besser ging, versuchte der Zirkusbetreiber mit windigen Tricks, die Herausgabe des Elefanten zu erwirken. Eine Gerichtsentscheidung wollte er nicht abwarten. Er erschien vielmehr mit einem Tieflader vor den Toren des Allwetterzoos - ein Gewehr auf dem Beifahrersitz - und wollte "seinen" Elefanten abholen...
Staatsanwalt Iburg in Hannover war nicht untätig und veranlasste die Beschlagnahme des Elefanten als Beweismittel im Strafverfahren nach § 17, 2b TSchG. Für Hannover war es der bis dato größte Prozess wegen Tierquälerei. Im Oktober 1984 beschloss ein Schöffengericht, dass "Rada" in Justizgewahrsam bleibt. Der Zirkusdirektor wurde zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt, verbunden mit einem Tierhaltungsverbot für Elefanten - leider nur für vier Jahre. Er legte Berufung ein und es kam zu erneuten Verhandlungen vor vier verschiedenen Gerichten. Im November 1985 fiel vor dem Landgericht Hannover eine Entscheidung: "Rada" wurde dem Allwetterzoo übereignet, der "Verkaufspreis" für das Tier gegen die Futterkosten aufgerechnet.
Wir hatten bis dahin etwa 50.000 DM aufgewandt, um "Rada" zu versorgen. Einen Verkauf des Elefanten zur Deckung der hohen Kosten hatte das Gericht nicht in Betracht gezogen. Man befürchtete, dass "Rada" über Mittelsmänner wieder an den alten Besitzer gelangen könnte. Im Oktober 1986 wurde der Fall "Rada" dann endgültig zu den Akten gelegt. Der Wert von "Rada" war zwar auf 50.000 Mark festgelegt worden, unser Aufwand hatte sich mittlerweile jedoch auf 85.000 Mark erhöht. Eigentlich hätte der Zirkusbetreiber zahlen müssen, doch der hätte das Geld niemals aufbringen können. Deshalb kam das Land Niedersachsen für alle entstandenen Kosten auf und wir erhielten 27.000 DM für Futterkosten aus der Landeskasse.
Lydia Bollmann hatte "Rada" gemeinsam mit ihrem Sohn regelmäßig besucht und ihrem Liebling Schleckereien mitgebracht. Gut 10.000 DM brachte die Rentnerin insgesamt wohl für "Rada" auf. Viel Geld, das sie aber gut investiert sah, weil sie damit einem Tier in großer Not helfen konnte. Leider erlebte sie den glücklichen Ausgang der Geschichte nicht mehr: Lydia Bollmann verstarb 1986, kurz vor dem letzten Urteil. Für viele wertvolle Ergänzungen zu diesem Beitrag danken wir Achim Bollmann-Oberlein sehr herzlich!“
http://www.allwetterzoo.de/fotos/news2008/rada.php?activemenu=fotos&sub=45

 

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